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Das Doppelleben des Polizisten Willy S.

Erinnerungen an die Zeit, als Zürich brannte

Fünf Jahre lang schlüpfte der Zürcher Polizist Willy Schaffner auf Wunsch seiner Vorgesetzten in die Rolle des linken Aktivisten, um die autonome Szene der Achtzigerjahre auszuspionieren. Nachdem er sich Bart und Haare hatte wachsen lassen, verschafften ihm seine Vorgesetzten unter dem Decknamen Willi Schaller eine neue Identität und er sich mit ihr eine Wohnung und ein Auto. Und von Stund an verbrachte er seine Tage unter der Generalklausel »Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung« als Insider an Demonstrationen und Vollversammlungen der »Bewegung«. Eine adäquate Ausbildung für seine neue Tätigkeit gab es nicht. »Gang emal go luege«, lautete der Auftrag, und Schaffner machte fünf lange Jahre lang, was man von ihm verlangte, und dies so gut, dass er es bis in die legendären Szenensitzungen im Café Boy schaffte. Wenn andere schliefen, schrieb er die vom Zürcher Geheimdienst gewünschten Rapporte und lieferte Namen von Rädelsführern, die seine »Freunde« waren. Seine Enttarnung erfolgte – durch die »Wochenzeitung« (WOZ) – 1986, erst ein Jahr nachdem er sein Doppelleben abgelegt hatte. Sein Fall war tief. Und ohne seine Frau, die ihm durch alle die Jahre und Wirren immer zur Seite gestanden und ihm Boden gegeben hatte, hätte er es wohl nicht geschafft, sich sein altes Ich zurückzuerkämpfen und sich – wieder ganz Willy Schaffner – später als Vermittler zwischen den Fronten einzusetzen.

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Tanja Polli

Tanja Polli, geb. 1969, ist Journalistin und Autorin. Ihr erstes Buch, »Das Geschlecht der Seele – Transmenschen erzählen«, erschien 2013 im Elster Verlag. Ihr zweites, »Die Rebellin – Ein Leben für Frieden und Gerechtigkeit«, über die Psychoanalytikerin Ursula Hauser erschien 2015 im Wörterseh Verlag und wurde ein Bestseller. Als sie die Anfrage bekam, über Willy Schaffner, den einstigen Zürcher Politspitzel der Achtzigerjahre, und sein doppeltes Leben ein Buch zu schreiben, sagte sie erst zu, als sie ihn ein paarmal getroffen hatte und klar wurde, dass er sehr reflektiert und kritisch über seine Vergangenheit reden konnte und damit einverstanden war, dass sie auch Protagonisten von der damaligen Gegenseite zu Wort kommen lassen würde. Vertrauen schuf auch die Tatsache, dass er sich in den letzten Jahren seines Berufslebens sehr engagiert für die Vermittlung zwischen Polizei und Demonstranten eingesetzt hatte und dies so erfolgreich, dass ihm linke Aktivisten zu seiner Pensionierung Abschiedsbriefe schrieben, ihm viel Glück wünschten und ihn junge Hausbesetzer gar fragten: »Willy, schreibst du jetzt ein Buch?« Tanja Polli lebt und arbeitet in Winterthur.

Willy Schaffner

Willy Schaffner, geb. 1950, wuchs im Urnerland auf. Nach einer KV-Lehre bewarb er sich bei der Stadtpolizei Zürich und begann kurz darauf seine Ausbildung. Im Frühling 1980, zu Beginn des »heißen Sommers«, trat er als diplomierter Polizist in den Dienst des KK III über, der politischen Abteilung der Stadtpolizei Zürich, und schleuste sich als verdeckter Ermittler in die Zürcher Jugendbewegung ein. Nach seiner Enttarnung 1986 folgten schwierige Jahre. Die Fichenaffäre 1990 brachte Schaffners Weltbild endgültig ins Wanken und bewirkte schließlich ein Umdenken. Zwei Jahre nach seiner Pensionierung, die 2014 erfolgte, zog es ihn, zusammen mit seiner Frau, wieder ins Urnerland zurück, wo er sich heute dem Fischen, seinen Hühnern und dem Garten widmet.
Bestseller Platz

#5

Erste Auflage

2016

Seiten

256

Format

13,5 x 21,2 cm

Autor(in)

Tanja Polli

Medium / ISBN

Gebunden mit Schutzumschlag 978-3-03763-068-6, E-Book (EPUB) 978-3-03763-600-8